Mythen zur Fruchtbarkeit und Menstruation

„Schatz, behalt die Socken an…“(…damit´s ein Junge wird). Über Menschwerden und die Fortpflanzung im Allgemeinen ranken sich schon immer die abenteuerlichsten Mythen und Theorien. Und seit jeher versuchen werdende Eltern, das Geschlecht ihres Kindes im Vorfeld zu beeinflussen. Doch auch, wenn es für die meisten Vorgänge inzwischen wissenschaftliche Erklärungen gibt, halten sich einige der Mythen bis heute hartnäckig.

Vorschläge wie im alten Griechenland, sich beim Beischlaf nach rechts zu drehen oder wie in Frankreich, den linken Hoden hochzubinden, zeigen die breite Spanne der Ideen auf. Wobei nicht alle so harmlos waren.

Um beispielsweise der Unfruchtbarkeit zu Leibe zu rücken, gab es im Mittelalter nicht selten Methoden, bei der die Frauen um ihr Leben fürchten mussten. Der Einsatz absonderlicher und giftiger Gebräue war keine Seltenheit. Schließlich musste die Fruchtbarkeit der Frau gesichert werden. Denn, so der damalige Wissensstand, sie war die Empfangene, der Mann der Gebende. An seiner Rolle als Lebensspender gab es keinen Zweifel.

Die meisten Methoden gegen Unfruchtbarkeit waren jedoch harmlos: Es wurde gebetet, Gelübde wurden abgelegt, Wallfahrten gemacht, Heilige beschworen, Wässerchen genommen und weise Menschen befragt.

Auch um das Thema Menstruation ranken sich seit der Antike zahlreiche Mythen. Im römischen Reich galt die Regelblutung vor allem als unheilbringend. Menstruierende Frauen verdarben angeblich den Wein, ließen Milch gerinnen, das Saatgut unfruchtbar werden oder Pflanzen vertrocknen. Im Mittelalter war der böse Blick einer menstruierenden Frau besonders gefürchtet. Selbst der Arzt Paracelsus, der sich im 16. Jahrhundert wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigte, glaubte Gift im Menstruationsblut gefunden zu haben. Etwas, das sich hartnäckig hielt und selbst heute noch oftmals zur Sprache kommt. Menstruationsblut ist nicht infektiös, sondern „normales“ Blut mit Schleimhautresten und Scheidensekret. Es ist weder unhygienisch noch ansteckend.

Es gab aber auch Kulturen, die von der heilenden Kraft des Menstruationsblutes überzeugt waren. Das führte dazu, dass das Blut in einigen medizinischen Rezepturen Verwendung fand: Verarbeitet in Salben und Tinkturen galt es als Garant zum Schutz der Neugeborenen vor Dämonen oder als Hilfe gegen schlaffe Brüste.

Heute weiß man, dass die Menstruation eine ganz bestimmte Funktion hat: Wird die Eizelle nicht befruchtet, geht der Gelbkörper im Eierstock zugrunde und die oberen Schichten der Gebärmutterschleimhaut werden abgelöst. Sie gelangen mit dem Blut nach außen – die Periode ist da, ein neuer Zyklus beginnt.

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