Die natürlichste Sache der Welt

Stillen ist die natürlichste Sache der Welt – für die ureigenste Versorgung und Ernährung der Säuglinge. Eine Selbstverständlichkeit, die in der westlichen Welt über viele Jahre in Frage gestellt wurde. Sei es, weil es einfach nicht „chic“ war ein Baby zu stillen oder weil die Muttermilch als belastet galt. Das Aufkommen der industriellen Babynahrung und die massive Bewerbung sorgten bei vielen Müttern für Unsicherheiten. Diese eher „westliche“ Sichtweise wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders auch in die bis dahin noch „unzivilisierte“, so genannte Dritte Welt getragen. Aus heutiger Sicht ein Drama – aus damaliger Sicht ein Schritt in die Zivilisation.

Der Mediziner Dr. Otto Schaefer hat über viele, viele Jahre das Leben der Inuit, deren Entwicklung und den Einfluss der so genannten zivilisierten Welt auf diese Bevölkerungsgruppe beobachtet und in mehr als 100 Publikationen veröffentlicht. Sein besonderes Augenmerk galt dem Stillen. Er sah in der Stillzeit eine effektive Möglichkeit der Empfängnisregelung: Er hatte beobachtet, dass die Bevölkerung der Inuit „explodierte“, nachdem sich die Mütter (und Väter) der westlichen Lebensweise angepasst hatten. Die Säuglinge wurden nur noch selten gestillt oder sogar direkt ab der Geburt mit der Flasche versorgt. Die Brust galt nunmehr als Sexsymbol und nicht mehr als natürliche „Versorgungsquelle“ der Kinder.

Das hatte nicht nur gesundheitliche Folgen für den Nachwuchs, der immer öfter mit Allergien und Atemwegsproblemen zu kämpfen hatte, sondern wirkte sich auch direkt auf die Kinderzahl aus. Diesen Effekt auf die Geburtenabstände zeigen auch weitere groß angelegte Studien, die u.a. A. Perez, Barbara Gross und Miriam Labbok in den 80er und 90er Jahren durchgeführt haben.

Generell gilt danach: Je länger eine Frau voll stillt, desto länger kann die Rückkehr der Fruchtbarkeit hinausgezögert werden, weil das Stillen den Eisprung unterdrückt. Dabei ist nach aktuellem Stand der Forschung nicht die Länge der einzelnen Stillzeiten von Bedeutung, sondern die Häufigkeit, wie oft das Baby angelegt wird (Stillfrequenz).

Auf diesen Erkenntnissen basiert auch LAM (Lactation Amenorrhoea Method/deutsch: stillbedingtes Ausbleiben der Regelblutung). LAM reicht in den ersten sechs Monaten an die hohe Sicherheit moderner Familienplanungsmethoden heran.

Für den Mediziner Schaefer war es selbstverständlich, dass Stillen immer die bessere Alternative zur Flasche ist– Geburtenabstände, Gesundheit und vor allem die Bindung von Mutter und Kind waren seine Argumente: „Stillen hat einen größeren Einfluss auf das Leben und die Gesundheit der Kinder als sonst irgendein anderer Faktor überhaupt.“ Das ist inzwischen auch wieder in der westlichen Welt angekommen.

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